Trolltunga

Höllenmarsch zur Trolltunga

4:30 Uhr in der Früh…der Wecker klingelt, absolut nicht unsere Zeit!Aber ich quäle mich als erstes aus dem Bett, packe meinen Kulturbeutel und mache mich erstmal frisch. Als ich wieder komme, ist Nina auch schon aufgestanden, nur die Hunde machen noch keine Anstalten sich zu bewegen. Dann wird erstmal gefrühstückt und wir bemerken, dass es angefangen hat zu regnen. Da wir keine Lust auf Regen haben, gehen wir alles Weitere ganz gemächlich an. Um 6 Uhr sind wir dann soweit und wir verlassen den Parkplatz.

Er möchte noch nicht aufstehen...Er möchte noch nicht aufstehen…

Da man mit mit größeren Gefährten nicht bis zum offizielen Startpunkt fahren darf, haben wir noch eine 6 km lange Strecke, über eine langweilige asphaltierte Straße, vor uns, die wir zu Fuß zurücklegen müssen. Also marschieren wir, noch frohen Mutes, los. Wir denken immer wieder daran ein Auto anzuhalten um zu fragen, ob sie uns wohl mit hoch nehmen könnten. Ein paar mal taten wir es auch, jedoch ohne Erfolg und wir gaben auf. Und dann hält tatsächlich ein Auto an und eine nette junge Frau fragt uns auf englisch ob wir mitfahren wollten. Na klar, was für eine Frage! Wir steigen schnell ein, um die Straße nicht lange zu blockieren und haben uns so ein paar zusätzliche Kilometer gespart.

Einen Abend zuvor, gingen wir ein Stück um die "langweilige" Straße zu inspizieren..Einen Abend zuvor, gingen wir ein Stück um die “langweilige” Straße zu inspizieren..

Oben angekommen geht dann die große Wanderung los. Von dem Startpunkt sollen es insgesamt 24 Km sein, also hin und zurück…hm, da bin ich schonmal weiter marschiert, denke ich so. Die Wanderung ist als „schwer“ gekennzeichnet und als wir die ersten Höhenmeter gut gemacht haben, frage ich mich was denn hier so schwer sein soll? Die Wege scheinen wie Spazierwege, gut ausgeschildert, über Flüsse führen richtige Brücken und dort wo es matschig ist, wurden große Felsblöcke hingeschafft, wo man ganz easy peasy drüber spazieren kann. Ich sollte später eines besseren belehrt werden…

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Noch hängen tiefe Wolken über der Hardangervidda aus denen es auch immer wieder mal leicht regnet. Das haben wir uns eigentlich anders gedacht, aber das Wetter kann man halt nunmal nicht ändern.

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Der Weg ist mittlerweile etwas seichter geworden, in einem stetigen Auf und Ab geht es über kleine Holzbrücken und glatt geschliffene Felsen. Ich habe neue Wanderschuhe, die ich natürlich bei dieser Wanderung das erste mal trage…Schuhe einlaufen? Wieso? Irgendwann merke ich meine Füße, sie schmerzen…aber immerhin keine Blasen! Aber dadurch werde ich etwas quengelig, weil ich jetzt endlich am Ziel sein möchte. Da alle 2 Kilometer ein Schild kommt wie weit es noch ist und ich das Gefühl habe, dass ich schon viel weiter gegangen bin, als mir das nächste Schild anzeigt, muss ich mich kurz ein wenig aufregen und behaupte die Schilder lügen!

Doch dann nach 6 Stunden sind wir endlich am Ziel! Ich packe erstmal unsere Brote aus, das haben wir uns jetzt auch verdient! Während ich genüsslich unsere Vorräte plünder, kauert sich Nina an einen Felsen und es wirkt so, als würde sie sich dem Erfrierungstot hingeben wollen.

Es ist echt eisig kalt...Es ist echt eisig kalt…

Hier oben ist es ziemlich windig und wirklich arschkalt, aber zum Erfrieren reicht es dann doch noch nicht. Und dann plötzlich….die Ersten Sonnenstrahlen…der Himmel reißt auf!!! Die Götter sind wieder mit uns, jetzt steht schönen Bildern und einem Drohnenflug nichts mehr im Wege! Und es wird auch gleich wärmer!

Der Himmel reißt aufDer Himmel reißt auf

Die Trolltunga thront über dem blauen See Ringedalsvatnet.Um sie herum ist nichts, ausser Abgrund, ein falscher Schritt, eine Pose zuviel gewagt, Gleichgewicht verloren und man landet ca. 700 m tiefer. Aber der Ausblick ist atemberaubend und die Anstrengung bis hier her hat sich gelohnt.Wir stellen uns an, für das berühmte Foto auf der Trolltunga, nachdem wir das erledigt haben, lässt Nina schnell noch den Drachen steigen und dann packen wir fix zusammen und wir treten den Rückweg an.

DSCN9601Wir stehen auf der berühmten Trollzunge!

Ich merke ziemlich schnell mein rechtes Knie, Nina läuft auch etwas unrund…und wir haben noch 11 km vor uns…

Es dauert nicht lange und ich kann das rechte Bein kaum mehr anwinkeln um zu einem neuen Schritt anzusetzen. Gott sei Dank habe ich die Bandage dabei, aber ich hätte sie besser mal früher angezogen…Die Füße fühlen sich wund an, jedoch noch immer keine Blasen, ganz im Gegensatz zu Nina. Wir halten an, ich esse noch etwas während Nina sich verarztet. An ihrer Hacke hat sich eine eine große Blase gebildet, die ihren Socken in blutiges Rot tränkt. Wir haben Beide keine Lust mehr zu laufen und denken stetig an die 6 Kilometer aspahltierte Straße die wir schließlich auch noch zurück müssen. Langsam geht es weiter und die Pausen werden immer häufiger. Jetzt dämmert es mir wieso der Weg als „schwer“ beschrieben ist….er ist lang, sehr lang…es geht stetig rauf und runter und das ist es was so schlaucht! Bald haben wir es geschafft, wir sind auf der Asphaltstraße angekommen…die Schmerzen so groß, dass wir uns nicht vorstellen können noch einen Schritt zu laufen. Nina legt sich erstmal hin und sieht aus wie ein Häufchen Elend. Ich versuche neue Kräfte zu mobilisieren indem ich nun auch noch Nina´s Brot aufesse. Aber ich schaffe es lediglich eine Gruppe Japaner zu überreden, mit uns einen Shuttlebus zu teilen, der uns runter zu den Parkplätzen bringt. Ha, das war einfach! Aber es gibt keine Nummer…ich suche im Netz, aber nichts zu finden…

Dann erweckt Nina aus ihrer Starre und macht mich darauf aufmerksam, dass von oben ein Auto kommt und ob ich es nicht anhalten will…ich stelle mich an die Straße und halte meinen Daumen raus. Es hält an, ich erkläre der freundlichen Dame, dass wir nicht mehr laufen können und frage ob sie uns wohl mit runter nehmen könne, sie willigt ein! Jackpot! Die Japaner jubeln, packen ihre Sachen und kommen angelaufen, da war ich mal in Erklärungsnot. Ich versuchte ihnen klar zu machen, dass das Auto nur uns mitnehmen wird, das fanden sie nicht toll. Um sie zu besänftigen versprachen wir einen Shuttle von unten hoch zu schicken, damit waren sie einverstanden. Erschöpft saßen wir im Auto und waren froh nach 13 Stunden endlich wieder an unserem Bilbo zu sein. Aber selbstverständlich hielten wir uns an das Versprechen was wir den Japanern gegeben haben und schickten ihnen einen Shuttle. Ich hoffe, dass alle wieder heil unten angekommen sind!

Und Nina ist auch noch die Hose gerissen..Und Nina ist auch noch die Hose gerissen..

Wir beschlossen nicht mehr viel zu tun, die Rucksäcke wurden, so wie sie waren, in die Ecke geschmissen, eine Dose Ravioli wurde erwärmt und nach dem Essen fielen wir ins Koma…

Kurzes Fazit

Eine schöne Tour, mit herrlichen Ausblicken! Dennoch sollte sie wirklich nicht unterschätzt werden. Der Weg allein ist nicht so anspruchsvoll, damit meine ich keine technische Schwierigkeit! Die Länge und das stetige Auf und Ab macht die Tour sehr anspruchsvoll, vor allem der Rückweg zieht sich wie Kaugummi. Für Leute mit Knieproblemen kann es zur Tortur werden…

Also gebt Acht auf euch!

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