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Klettern in El Chorro

Der Höhenangstcheck geht weiter! Ich habe mich schon einmal in schwindelerrengende Höhen getraut, diesmal probier ich es mal senkrecht an einem Felsen hochzuklettern, mal sehen wie weit ich komme. Ich habe kurzfristig bei der Climbing Lodge in El Chorro einen Schnuppertag gebucht, inklusive drei Übernachtungen und habe mir die Option offen gelassen noch einen weiteren Schnuppertag hinzu zu buchen.

Ich fahre von Málaga (hier regnet es gerade in Strömen!) mit dem Zug direkt nach El Chorro. Mich beschleicht doch noch ein komisches Gefühl als wir in Álora halten (wegen dem bösen Juan), aber wie ich mir hätte denken können, ist von ihm weit und breit nix zu sehen, Gott sei Dank! Nach etwa einer Stunde komme ich im verregneten El Chorro an.El Chorro 008 (800x533) Was soll das? Die ganze Zeit war es schön! Der Bahnhof ist winzig, aber immerhin gibt es ein Café und ein Stückchen weiter sogar ein recht großes Restaurant. Erstmal muss ich mich orientieren und hier gibt es kein Netz, also auch kein Google Maps. Ich frage ein paar Schweizer, ob die schonmal was von ´ner Climbing Lodge gehört haben. Nein, haben sie nicht. Ich frage in dem Restaurant nach, die können mir weiterhelfen, immer die eine Straße lang, das krieg ich hin! Dann seh ich, dass ich vor lauter Schildern, das der Climbing Lodge übersehen habe.

Es geht knapp vier Kilometer steil bergauf, aber ich habe Glück, es hat aufgehört zu regnen. Ich schaue mich um und sehe riesige, krasse Felsen. Ich fange an mit mir selber zu reden und jedes zweite Wort ist „krass“, dann „scheiße“, dann „da soll ich hoch?“, dann „die sind aber ganz schön groß!“ Mehr kann ich dazu nicht sagen, die Felsen sind so schön und die Regenwolken verschleiern die Gipfel dieser Riesen. Die Vorstellung, irgendwo an einem dieser gewaltigen Felsen hochzuklettern, macht mir doch ein wenig Angst…El Chorro 104 (533x800) - KopieKlitschnass geschwitzt angekommen empfängt mich der „Wäsche-Tobi“, wie er sich mir vorstellt. Er zeigt mir mein Zimmer, erklärt mir ein paar Sachen und dann solle ich mich wie zu Hause fühlen. OK! Zuerst bin ich ein wenig enttäuscht, ich dachte ich erlebe jetzt puren Luxus, aber stattdessen erwartet mich eine kleine urige Hütte, was ich dann doch sehr viel besser finde. Es gibt einen Kamin, die Zimmer haben kein eigenes Bad, dafür gibt es drei Gemeinschaftsbadezimmer. Draußen befindet sich ein Pool und sogar eine Sauna, also doch ein wenig Luxus! Im Aufenthaltsraum scheint ein Kurs stattzufinden, da ja Kacke Wetter ist, machen sie Theorieunterricht. Ich will nicht stören und verkrümel mich erstmal auf´s Zimmer und gehe anschließend duschen. Später höre ich, wie jemand an der Tür gegenüber klopft und die Rede ist von Essen gehen. Schnell schiebe ich meinen Kopf durch die Tür und frage, ob sie mich mitnehmen würden. Die Antwort ist „klar“ und so werden an diesem Abend die ertsen Kontakte geknüpft. Aber das erste mal wird’s auch peinlich! Wir sitzen mit mit 10 Leuten an einem Tisch und Tine wagt es dem Kellner zu sagen, dass sie für sich bezahlen möchte! Wie ich finde, ein absolutes no go in Spanien. Der Kellner holt die Rechnung, Karte, Stift und Taschenrechner und knallt es Tine hin, sie solle es selber machen. Daraufhin großes deutsches Entsetzen, wie er das nur machen könne! Esther und ich sind uns schnell einig, dass wir kein Problem damit hätten, den gesamten Betrag durch 10 zu teilen, als so ein Gewerkel! Es wird sich noch ein wenig darüber aufgeregt, bis sie es schließlich doch so machen, wie wir es von vornherein vorgeschlagen haben.

Jetzt geht’s an den Fels

Nach einem bombastischen Frühstück, machen wir uns gegen 11 auf zum Fels. Nun merke ich die Nervosität, denn ich könnte alle paar Minuten auf´s Klo, aber hier gibt’s kein Klo mehr. Sylvie erklärt mir wie ich die Gurte anzulegen habe (jetzt ist es erst recht vorbei mit Klo) und in der Zwischenzeit steigt eine Erfahrene vor um ein Toprope einzurichten, damit ich gesichert meine ersten Kletterversuche unternehmen kann. Als das geschehen ist erklärt mir Kristina einen Knoten, den sie mir vorne in die Schlaufen meines Gurtes bindet und dann kann´s auch schon los gehen. Diese Route war sehr stufig, dass ich schöne Tritte und Griffe gefunden habe, aber ein wenig mulmig war mir schon zumute. Aber ich bin direkt beim ersten Mal bis ans Ende der Route gekommen! El Chorro 023 (533x800) 1

ein klein wenig verkrampftein klein wenig verkrampft

Und dann kommt das Problem, ich muss ja auch wieder runter. Tine sagt, so jetzt setz dich in den Gurt, ich lass dich runter. Ich sage, ich kann nicht! Da haben wir nun den Salat, das Abseilen, dauert wesentlich länger als das hoch klettern. Irgendwann traue ich mich dann und Tine läßt mich ab und auf den letzten paar Metern drehe ich mich irgendwie und knalle mit meiner Schulter vor den Fels. Ist mir alles egal, hauptsache ich bin unten. Ich bin stolz auf mich, aber mir schlottern die Knie! Die Zweite Route ist etwas anspruchsvoller und ich schaffe es nicht bis ganz nach oben. Wobei das eher an meinen vollen Hosen liegt, als an meinem Können, denn je höher ich kletter, desto weiter ist der Weg auch wieder nach unten. ;-)

Die zweite Runde

Nach dem ersten Tag spüre ich ein wenig Muskelkater, wobei sich alle einig sind, dass es nicht vom Klettern kommt sondern durch meine krampfhafte Haltung beim Abseilen. Das könnte schon sein. Heute fahren wir an sehr glatte Felsen, da wir ein paar Laufübungen am Fels machen. Die Einen binden sich die Füße zusammen, damit sie nicht immer so große Schritte machen, die Anderen klettern mit Bällen in den Händen, damit sie nicht nur mit der Armkraft sich irgendwie hochziehen und ich kletter auch nicht normal, sondern mit verbundenen Augen! Ich soll mehr nach Gefühl klettern, sagt Sylvie, unser Coach. Sylvie gibt mir ihre Mütze, die ich zweckentfremde und mir über die Augen ziehen soll. Ich schummel auch nicht, ich sehe tatsächlich nichts. Und plötzlich finde ich Tritte und Griffe, die vorher nicht da waren und kletter auch gleich viel höher. Allerdings als ich höre, dass die Stimmen sich immer weiter entfernen kriege ich Schiss und bitte darum, dass sie mich wieder ablassen.IMG-20141114-WA0000 Natürlich machen sie es auch, was wieder unheimlich lange dauert und anderen riesigen Spaß bereitet, weil ich irgendwas vor mich her brabbel und Alfi ganz klare, deutliche Anweisungen gebe. Als Alfi mich fragt, ob ich ihm nicht traue, antworte ich ihm: „doch, ich sage dir ja nur was ich will!“ Für mich ein ganz normaler Satz, der von der Gruppe zum Satz des Tages erklärt wird und für schallendes Gelächter sorgt. Nach drei Routen geht es zur Lodge zurück. Außer Kristina und mir bleiben alle da, wir beschließen gemeinsam einen Kaffe in der Lodge zu trinken. Später kommen Alfi und Esther dazu und bringen ganz leckere Sachen mit, von denen wir naschen. Ach hier ist es einfach gemütlich und schön! Aber es nützt nichts, am nächsten morgen muss ich weiter, in der Lodge ist dann kein Zimmer mehr frei und ich ziehe um, in die weitaus schlichtere und ungemütlichere Finca la Campana. Aber es regnet wieder mal in Strömen und Olaf hat die Idee, solange es regnet in die Sauna zu gehen. Super Idee! Also geh ich erstmal mit Janina und Olaf zwei Stunden in die Sauna. Und gegen vier wandere ich zur Finca, ich werde die anderen aber schon am Abend wieder sehen, denn wir sind zum Tapas essen verabredet.

Wird Klettern mein neues Hobby?

Es hat auf jeden Fall großen Spaß gemacht! Ich werde als nächstes in der Kletterhalle weiter üben, dass ich mal die Angst vor dem Fallen und Abseilen verliere und eventuell einen Kurs machen, sodaß ich auch Andere sichern kann. Wenn ich was will, höre ich nicht auf bis ich es habe! Und ich will klettern können!IMG-20141114-WA0003

In Kürze geht es weiter mit einem kleinen Bericht über den „Caminito del Rey“, dem ehemals gefährlichsten Wanderweg der Welt!

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